Teilhabe und sozialer Zusammenhalt im Saarland (März 2010)

Sozialstudie Saar

 

Noch in der Zeit der Vorgängerregierung hatte das Ministerium für Justiz, Arbeit, Gesundheit und Soziales des Saarlandes das Otto-Blume-Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik e. V. (ISG Köln) beauftragt, die empirischen Grundlagen für eine „Sozialstudie Saar“ zu erarbeiten. Die Studie befasst sich nicht nur mit „Armut“ im engeren Sinne einer materiellen Notlage, sondern untersucht die Lebenslagen, Teilhabechancen und den sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung im Saarland in umfassender Weise. Die Sozialstudie liefert nicht nur empirische Analysen, sondern bewertet auf dieser Grundlage bestehende sozialpolitische Maßnahmen und entwickelt Empfehlungen für weiteres politisches Handeln. Die „Sozialstudie Saar“ wurde im Wesentlichen zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erarbeitet. Der Prozess wurde durch einen Projektbeirat begleitet, dessen Mitglieder über langjährige Kenntnisse der regionalen Rahmenbedingungen verfügen. Ihm gehörten 19 Personen aus den kommunalen Spitzenverbänden, von Trägern der Wohlfahrtspflege, den Kirchen, der Staatskanzlei und dem Statistischen Landesamt, der Arbeitskammer des Saarlandes und der Saarländischen Armutskonferenz e. V. an.
Nach Darlegung des konzeptionellen Ansatzes von Armut und Ausgrenzung beschreibt die Studie die Betroffenheit von Einkommensarmut im Saarland, untersucht den Zugang zur Erwerbstätigkeit und widmet sich vertieft den Familien und sozialen Netzwerken. In weiteren Kapiteln werden Bildungschancen und migrationsbedingte Schwierigkeiten, eingeschränkte Teilhabe durch Krankheit, Behinderung und Pflegebedürftigkeit, eingeschränkte Wohnqualität sowie gesellschaftlicher und kultureller Zusammenhalt mit Daten belegt und erörtert. Zum Lebensbereich Wohnen weisen die Verfasser der Studie darauf hin, dass angesichts der hohen Wohneigentumsquote im Saarland Wohneigentum „gerade in ländlichen Regionen (…) nicht undifferenziert als Indikator für Wohlstand gesehen werden“ darf. Ferner heißt es: „Die für Mieter positive Situation eines niedrigen Mietniveaus im Saarland hat für manche Hauseigentümer die Konsequenz niedriger Mieteinnahmen und eines geringen Verkaufswertes.“ Empirisch belegt die Studie, dass Migrationshintergrund und hohes Armutsrisiko mit geringer Wohnqualität verbunden sind. Die Verfasser empfehlen schließlich, dass in längerfristiger Perspektive darauf zu achten sei, dass Tendenzen der Segregation oder Gettoisierung rechtzeitig entgegengewirkt wird.

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