
Verband der saarländischen
Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V.
Empirica-Fallstudie Saarbrücken-Eschberg (Juli/August 2010)
Strategien für Wohnstandorte an der Peripherie der Städte und in Umlandgemeinden
In ihrem 2009 erschienenen Forschungsbericht „Strategien für Wohnstandorte an der Peripherie der Städte und in Umlandgemeinden“ stellt empirica ag, Berlin, insgesamt neun Fallstudien vor. Im Folgenden wird die Fallstudie Saarbrücken-Eschberg näher dargestellt, in der u. a. die Mitgliedsunternehmen des VdW saar, die Immobiliengruppe Saarbrücken (ISG) als Großeigentümerin und die WOGE saar, involviert sind.
Randstädtisches Wohnquartier in Insellage
Empirica ordnet das Gebiet Saarbrücken- Eschberg dem Typ „Randstädtisches Wohnquartier in Insellage“ zu. Das Wohnquartier verzeichnet rund 6.700 Einwohner. Im Vergleich zur Gesamtstadt zeigt die Altersstruktur der Einwohner einen deutlich höheren Anteil der über 60-Jährigen und niedrigere Anteile in allen anderen Altersgruppen. Die wohnungswirtschaftliche Entwicklungsperspektive wird von Empirica als sehr negativ bewertet. Demgegenüber wird aber bescheinigt, dass der Standort ein hohes Potenzial habe. „Das Wohngebiet hat im gesamtstädtischen Kontext gesehen eine leicht überdurchschnittliche Wohnqualität, ein eigenes Image durch eine städtebauliche Insellage auf einem Berg und eine zeitlich relativ kompakte Entwicklung.“ Die Häuser stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, wobei die Baujahre 1961 bis 1965 überwiegen. Sie zeigen unterschiedliche Bautypologien: von frei stehenden Ein-/Zweifamilienhäusern bis zu Geschosswohnungsbauten und Punkthochhäusern.
Eigentümerstruktur
An großen Wohnungseigentümern nennt die Studie die ISG mit 1.040 Wohnungen, Dr. Breit mit ca. 400 bis 500 Wohnungen sowie die WOGE Saar mit Wohnungen in kleinerem Umfang. Darüber hinaus gibt es weitere einzelne gewerbliche Eigentümer und private Einzeleigentümer sowohl bei Ein-/Zweifamilienhäusern wie auch bei Eigentumswohnungen in Geschosswohnungsbauten.
Entwicklung und Problemstellungen
Empirica beschreibt in der Entwicklungsgeschichte der Siedlung u. a., dass sich der Eschberg, bedingt durch die Insellage und die zeitlich kompakte Entwicklung, zu einem Wohnquartier mit ganz eigener Identität („Volk für sich“) entwickelt habe. In der Vergangenheit sei eine sehr gemischte Bewohnerzusammensetzung entstanden. Hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des Quartiers werden folgende Aspekte als problematisch bewertet: Die Leerstandsquote im Geschosswohnungsbau sei bei der ISG in den letzten ein bis zwei Jahren auf mehr als das Doppelte angestiegen – von zuvor ca. 3,6 Prozent auf 8,12 Prozent. Für die Zukunft wird ein zunehmender Leerstand befürchtet. Hemmend für die Akzeptanz sei dabei auch die Höhe der Nebenkosten wegen unzureichender Wärmedämmung. Umfassende bauliche Umstrukturierungen zugunsten einer älter werdenden Bevölkerung seien in den Geschosswohnungen aus Kostengründen jedoch kaum möglich. Ferner gäbe es kaum bauliche Erweiterungsmöglichkeiten. Die Topographie der Siedlung sei ein weiteres Mobilitätshemmnis für ältere Menschen. Auch das zentrale Einkaufszentrum habe deutlich an Attraktivität und Angebotsvielfalt verloren. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund, die kaum über Deutschkenntnisse verfügen, sei stark angewachsen.
Lösungsansätze – Strategien und Maßnahmen
Eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung und Stärkung des Quartiers werden bereits von Akteuren vor Ort umgesetzt. Weitere sind konkret in Planung. Insbesondere aktiv dabei ist die ISG als Großeigentümer. So wird eine Betreuung der Bewohner im Bereich Wohnen im Alter in Kooperation mit dem Diakonischen Werk angeboten und durchgeführt. Die Seniorenberatung der Stadt organisiert und vermittelt Hilfsdienste für Ältere. Hierzu zählen auch „1 Euro-Jobber“ in Zusammenarbeit mit freien Trägern und dem Arbeitsamt, die Begleitdienste anbieten. An weiteren Maßnahmen nennt empirica die behindertengerechte Gestaltung von Bushaltestellen, die Durchführung eines Workshops zu Zukunftsperspektiven für das Quartier sowie den Verzicht der Stadt Saarbrücken auf ihr Belegungsrecht für die Wohnungen. Abschließend stellt Empirica fest, dass die Finanzierung der Maßnahmen über reguläre Mittelwege erfolgt und es bisher keine gesonderten Fördermaßnahmen gegeben hat.
Direktdownload der Fallstudie Saarbrücken-Eschberg
